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Tipps für die (erste) Mittelalter-Gewandung

Bei uns im Laden haben wir recht häufig Kunden, die sich das erste Mal für einen Mittelaltermarkt, eine Mittelalterhochzeit, ein LARP-Event oder dergleichen gewanden möchten. Gemeinsam gehen wir dann quasi auf Erkundungstour: Möchte die Person eine bestimmte Epoche darstellen, worin fühlt sie sich wohl, was gefällt, soll es eher schlicht oder pompös sein, wie viel soll und darf es kosten und so weiter und so fort. Aufgrund der Entfernung können aber leider nicht alle zu uns in den Laden kommen, daher geben wir euch hier auf unserem Blog ein paar Tipps zur ersten Mittelalter-Gewandung.

Kurzer Hinweis vorweg: Dieser Blogbeitrag dient zur ersten Orientierung im Gewandungs-Dschungel. Uns ist bewusst, dass viele ihr erstes Gewand einfach nach Geschmack kaufen und das ist absolut okay. Um aber das Bewusstsein für historische Kleidung zu wecken, haben wir den Beitrag mit ein paar Hilfestellungen gespickt. Man könnte darüber hinaus noch viel weiter ins Detail gehen, aber das würde den Rahmen einer übersichtlichen Einführung sprengen.

Mittelalter-Gewandung für Männer

Fangen wir bei den Herren an. Die Basics bestehen in der Regel aus Tunika / Shirt, Hose, Gürtel und Schuhen. Der Rest ist quasi Kür und rundet die Gewandung fein ab: Tasche, Gugel/Umhang/Wappenrock, Schmuck, Kopfbedeckung und Accessoires.

Tunika / Shirt

Bei der Entscheidung, ob es lieber eine Tunika oder ein Shirt sein soll, kommt es darauf an, was Du darstellen möchtest. Möchtest Du das Mittelalter oder die römische Antike darstellen, ist eine Tunika passend. Du kannst dann auch zwischen verschiedenen Ausführungen wählen, beispielsweise Römer-Tuniken, Wikinger-Tuniken oder spätmittelalterliche Modelle. Auch im LARP passt zu den meisten Charakteren eher eine Tunika als ein Shirt.

Ein Shirt wählst Du, wenn Du eine Renaissance- bzw. Neuzeitliche Darstellung umsetzen möchtest, beispielsweise ein Piraten-Outfit. Uns ist bewusst, dass nicht jeder, der einen Mittelaltermarkt besucht, eine bestimmte Epoche darstellen möchte. Gesucht wird in der Regel ein Gewand, das bequem ist und ins Ambiente passt. Das ist völlig in Ordnung! Ist das der Fall, dann kannst Du Dich ganz frei zwischen Shirt und Tunika entscheiden,  je nachdem, was Dir gefällt und worin Du Dich wohl fühlst.

Wie Christin im Live-Stream schon einmal anmerkte: Bitte probiert die Tuniken und Shirts immer mit passendem Gürtel an, auch wenn ihr den erst irgendwo rauskramen müsst. Es sieht einfach viel besser aus. Falls ihr noch keinen habt, bei uns gibt es sehr günstige Gürtel mit Ringschließe. Bestellt sie am besten gleich mit, ihr werdet es nicht bereuen!

Hose

Hosen waren im Mittelalter sehr einfach geschnitten und spielten lange Zeit eher eine Nebenrolle. Warum? Wie bereits erwähnt, trugen die Männer Tuniken und diese gingen meist bis zum Oberschenkel, bisweilen sogar bis zum Knie. Das bedeutet, die Hose war zum Großteil bedeckt. Wurden zur Tunika noch Wadenwickel angelegt, verschwand sie sogar ganz. Erst ab dem Hochmittelalter wurden die Tuniken kürzer.

Beinkleider hatten aber dennoch ihre Berechtigung, beispielsweise zum Schutz der Beine gegen Kälte und gegen äußerliche Faktoren wie etwa die Reibung beim Reiten oder Schürfwunden beim Laufen durch Dickicht. Die Meinungen gehen übrigens auseinander, ob bei Römern und Wikingern im Sommer überhaupt Hosen unter der Tunika getragen wurden, wenn nicht gerade geritten wurde.

Die bekannteste antike/frühmittelalterliche Hose ist die sogenannte Thorsberg-Hose, benannt nach mehreren Funden aus dem Thorsberger Moor. Die ältesten Funde dieser Art wurden auf das 2. bis 3. Jahrhundert datiert. Ihr Schnitt wurde aber mit leichten Variationen noch Jahrhunderte später getragen, was ähnliche Funde aus Haithabu aus dem 11. Jahrhundert recht gut veranschaulichen.

Beinlinge

Beinlinge werden normalerweise zur Unterwäsche gezählt, aber da sie quasi als Äquivalent zur Hose getragen werden können, bekommen sie in diesem Beitrag eine eigene Betrachtung.

Der älteste Fund von Beinlingen stammt aus der Jungsteinzeit und zwar von der berühmten Gletscherleiche Ötzi. Deshalb gelten Beinlinge als die Vorläufer der Hose. Beinlinge bestehen aus zwei einzelnen Beinteilen, die mitunter auch die Füße bedecken oder einen schmalen Stoffstreifen (Steg) unter den Füßen entlang laufen haben. Befestigt werden die Beinlinge mit Nestelbändern an der Bruche, einer Art Unterhose, oder am Gürtel.

Beinlinge eignen sich besonders gut für eine spätmittelalterliche Darstellung, gern auch in zwei unterschiedlichen Farben. Da zu dieser Zeit auch die Tuniken bisweilen nicht mehr so lang getragen wurden, kann man die Beinlinge auf etlichen mittelalterlichen Darstellungen erkennen. Die meisten dargestellten Beinlinge sind rot, danach folgt schwarz und braun.

Der Begriff Beinling ist übrigens eine neudeutsche Wortschöpfung. Er wurde etabliert, weil Beinlinge im Mittelhochdeutschen als hose bezeichnet wurden, was in Bezug auf unsere moderne Hose zu Verwirrungen führte. Im englischen heißen sie nach wie vor hosen (sing.: hose). Beinlinge sind übrigens der Grund, warum man noch heute von einem Paar Hosen spricht, auch wenn nur eine gemeint ist.

Unterwäsche

Als Vorläufer der modernen Shorts gilt die Bruche. Sie wurde im Mittelalter zu Beinlingen getragen.Unterwäsche, so wie wir sie heute kennen, gab es im Mittelalter nicht. Dennoch wurden sehr wohl Untergewänder getragen, um das Obergewand vor körperlichen Ausdünstungen zu schützen.

Wenn Du Deine erste Mittelalter-Gewandung trägst, kannst Du natürlich moderne Unterwäsche tragen. Sofern sie nicht in Neonfarben „durchschimmert“, sieht das ohnehin niemand. Möchtest Du es bereits so authentisch wie möglich, kannst Du zu einer Bruche und einer Untertunika greifen. Bei hohen Temperaturen findest Du zudem den einen oder anderen Reenactor, der unter der Tunika blank zieht.

Untertuniken sind meist aus einem eher leichten Stoff, einfarbig (meist naturfarben) und nicht verziert. Sie schützen nicht nur das Obergewand, es sieht auch toll aus, wenn sie einen farblichen Kontrast bilden. Untergewänder wurden zudem mitunter als Nachtwäsche getragen.

Kopfbedeckung

Im Mittelalter trugen auch Männer meist etwas auf dem Kopf. Je nachdem, welcher Tätigkeit sie gerade nachgingen, war das im Alltag eine einfache Bundhaube oder aber im Kampf oder Training eine gepolsterte Bundhaube unter dem Helm. Kopfbedeckungen schützten den Kopf vor Wind und Wetter, Schmutz und Parasiten wie etwa Läusen. Die gepolsterte Bundhaube bot dem Kopf zudem Schutz vor Erschütterungen und sorgte für einen bequemeren Sitz des Helmes.

Uns ist bewusst, dass das Tragen einer Bundhaube ein ungewohntes Bild bietet. Viele unserer Kunden verzichten daher darauf. Möchtest Du dennoch etwas auf dem Kopf tragen, wären mögliche Alternativen eine Lederkappe, eine Birkakappe, eine Gugel, ein Filzhut oder ein Barett.

 

Mittelalter-Gewandung für Damen

Frauen haben es in Bezug auf Mittelalter-Gewandung sogar ein bisschen leichter: ein Mittelalterkleid, Schuhe und ein Gürtel sind im Prinzip schon ausreichend.

Das Mittelalter-Kleid

Im Mittelalter trugen die Frauen für gewöhnlich ein Kleid. Das hatte oft einen ähnlichen Schnitt wie die Tunika der Männer des jeweiligen Jahrhunderts, nur dass es bis zu den Knöcheln reichte. Über dem Kleid wurde mitunter ein Übergewand getragen. Im Frühmittelalter trugen die Frauen ein Schürzenkleid über dem Kleid, später dann eine sogenannte Cotte oder eine Schürze.

Zuerst einmal hast Du die Wahl, ob Du für Deine Mittelalter-Gewandung ein eher schlichtes oder ein reich verziertes Mittelalterkleid haben möchtest. Schlichte Kleider lassen sich allerdings besser kombinieren und bieten Dir die Möglichkeit, das Kleid selbst noch mit Ziernähten oder Borten zu verzieren, falls Du möchtest. Im Frühmittelalter waren die Kleider der Adeligen zudem gar nicht so anders als die Kleider der niederen Schichten, denn die Höhe des Rangs spiegelte sich eher im Schmuck wider.  Ab dem Hochmittelalter änderte sich das allerdings zunehmend. Während die niederen Schichten weiterhin einfache Schnitte bevorzugten, damit die Kleider bei der Arbeit nicht stören, wurden die Kleider der adligen Damen immer ausgefeilter, sowohl was Schnitt, Stoff, Farben als auch Verzierungen anbelangte.

Bitte beachte: Bei einer Mittelalter-Gewandung ist es ratsam, die Beine stets bedeckt zu halten, da es sich im Mittelalter für eine Frau nicht schickte, die Knöchel zu zeigen. Trägst Du also mehrere Schichten, beispielsweise bestehend aus Cotte, Kleid und Unterkleid, sollte mindestens eine Schicht bis zum Boden reichen.

Unser Tipp: Im Mittelalter war es üblich, einen Gürtel zu tragen. Der gab dem Kleid zum einen eine schöne Formund bot die Möglichkeit Habseligkeiten daran zu befestigen. Probiere Dein Mittelalterkleid am besten immer mit einem Gürtel an, denn dann sieht es noch besser aus.

Bluse und Rock

Nicht alle Frauen wollen ein Kleid tragen. Manche fühlen sich darin nicht wohl, anderen gefällt es einfach nicht so gut. Die Kombination Bluse und Rock ist eine schöne Alternative, wenn Du damit einen Mittelaltermarkt besuchen möchtest. Dieses Outfit geht dann allerdings eher Richtung Renaissance, denn im Mittelalter wurden nach aktueller Fundlage ausschließlich Kleider getragen.

Der Vorteil von einem Ensemble aus Bluse und Rock ist die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten. Tausche nur die Bluse aus und die gesamte Mittelalter-Gewandung wirkt völlig anders. Bei den Röcken solltest Du darauf achten, dass sie bis zum Boden reichen. Ein kurzer oder halblanger Rock mag sehr schön sein, ist aber wenig mittelalterlich.

Hose

Vor allem unsere LARP-Kundinnen stellen lieber kämpferische Charaktere dar, wobei  sowohl ein Kleid als auch ein Rock sehr hinderlich sind. Eine Hose muss her!

Hier gilt das Gleiche wie für Männerhosen: Sie sind meistens eher schlicht gehalten. Weil sie so schlicht sind, gibt es bei uns im Shop keine Mittelalterhosen für Frauen. Je nach Deiner Größe kannst Du Dich entweder bei den Männerhosen umschauen und dann eine Nummer kleiner kaufen (Hose Hagen passt meistens ganz gut) oder bei den Kinderhosen zur Größe 164 (Mittelalterhose Thore) greifen.

Bitte sei Dir dessen bewusst: Falls Frauen im Mittelalter Hosen/Männerkleidung trugen, dürfte dies die absolute Ausnahme gewesen sein. Grundsätzlich war es verpönt und sogar per Gesetz verboten. Bekannt sind zahlreiche Fälle der frühen Neuzeit, in denen sich Frauen als Mann verkleideten, um einen Männerberuf (meist Soldat) ausüben zu können. Im Mittelalter könnte es das in den Söldner-Heeren auch gegeben haben, allerdings ist das kaum belegt. Jeanne D’Arc ist dafür in dem Sinne kein gutes Beispiel, da sie sich nicht als Mann „verkleidet“ hat, sondern als Frau öffentlich Männerkleidung trug (was ihr am Ende zum Verhängnis werden sollte). Einige wenige Frauen wurden mehr oder weniger im Militär geduldet wie etwa Jeanne de Belleville und Johanna von Flandern.

Unterwäsche

Die Unterwäsche einer Frau im Mittelalter unterschied sich von der Unterwäsche einer Frau, die heutzutage lebt. Zwar wurden Fragmente eines BHs gefunden, aber das dürfte nicht die Norm gewesen sein. Vielmehr wurden Unterkleider getragen, die das Obergewand vor menschlichen Ausdünstungen schützte.

Solltest Du nun auf Unterwäsche verzichten? Wie für die Männer, so gilt auch hier: Was man nicht sieht, darf durchaus modern sein. Wenn Du das erste Mal in Mittelalter-Gewandung ein Event besuchst, solltest Du Dich wohlfühlen. Unterwäsche kann bisweilen dazu beitragen.

Kleiner Tipp: Findet das Mittelalter-Event im Frühjahr oder Herbst statt, empfiehlt es sich sogar, Thermo-Unterwäsche zu tragen. Du kannst Dich natürlich auch vom Met wärmen lassen, aber das kann böse enden.

Kopfbedeckungen

Wenn Dich jemand unter die Haube bringen kann, dann wir! Spaß beiseite, es gab im Mittelalter verschiedene Arten der Kopfbedeckungen, da sich eine verheiratete Frau üblicherweise nicht „oben ohne“ in der Öffentlichkeit zeigte. Dies galt als äußerst unschicklich!

Möchtest Du es den Ladies im Mittelalter gleich tun, dann bieten sich folgende Möglichkeiten an:

a) Du kannst ein Kopftuch tragen. Das wurde beispielsweise als Schleier über die Haare gelegt und mit einem Stirnreif befestigt. Für die Arbeit war es allerdings besser das Tuch fest um den Kopf zu binden, beispielweise als Wimpel.

b) Großer Beliebtheit erfreuten sich im Mittelalter Bundhauben. Sie waren entweder elegant in Falten gelegt oder schlicht geschnitten. Unter dem Kinn ließen sie sich mittels zweier Bänder schließen. Auch wenn uns der Anblick heute bisweilen etwas komisch vorkommt: Auf mittelalterlichen Darstellungen sieht man die meisten Bundhauben geschlossen.

 

Mittelalter-Gewandungen für Kinder

Im Mittelalter gab es in dem Sinne keine eigens für Kinder konzipierte Kleidung. Sie trugen die gleichen Schnitte, Stoffe und Farben wie die Erwachsenen, nur eben kleiner. Vor allem in ärmeren Familien wurde die Kleidung von Kind zu Kind weitergeben, was mitunter dazu führte, dass sie nicht richtig passte.

Wenn Du eine Gewandung für Dein Kind suchst, dann kannst Du genauso vorgehen, wie bei der Kleidung der Erwachsenen. 

Jungs tragen Tunika oder Shirt, Hose, Schuhe, eventuell noch Umhang und Kinder-Wadenwickel. Mädchen tragen entweder ein Kleid oder eine Kombination aus Bluse und Rock, dazu Schuhe und eventuell ebenfalls Umhang sowie Wadenwickel.

Bei den Gürteln raten wir zu unserem einfachen Gürtel mit Ringschließe. Dieser kann zum einen doppelt gewickelt werden und zum anderen lässt er sich ganz leicht mit einer Schere kürzen.

Für Kinder gibt es zwei verschiedene Varianten von Mittelalterschuhen: die Kinderschuhe mit Schnürverschluss und die Kinderschuhe mit Riemen.

Schuhe

Mittelalterliche Lederschuhe sind meist das Teuerste an einer Gewandung. Viele, die das erste Mal in Mittelalter-Gewandung auf einen Markt gehen, verwenden daher ambientig aussehende Schuhe vom Schuhmarkt um die Ecke. Das ist für den Anfang völlig ok. Bitte nehmt euch aber die Zeit und schaut euch nach schlichten Lederschuhen zum Schüren um. Denn Turnschuhe sind wirklich nicht markttauglich. Es wäre sehr schade, wenn ihr euch so viel Mühe mit eurer ersten Gewandung gebt und dann das Bild mit Sporttretern zu Nichte macht.

Manche gehen auch barfuß auf den Markt. Das geht natürlich auch, aber bitte seid vorsichtig und stellt euch auf Schmerzen ein, wenn ihr das nicht gewöhnt seid. Auf Schotter piksen die Steine, auf Asphalt wird es bei Sonne äußerst heiß und im Rasen verstecken sich manchmal Scherben. Alles leider schon da gewesen. Packt euch auf jeden Fall Pflaster und „Not-Schuhe“ ein.

Möchtet ihr zu adäquaten Mittelalter-Schuhen greifen, dann habt ihr die Wahl:

  • Wendegenäht oder nicht wendegenäht
  • Mit Riemen (ab Hochmittelalter) oder zum Schnüren
  • Genagelt oder nicht genagelt

Den Schuhen werden wir noch einen eigenen Beitrag widmen, daher lassen wir das Thema hier vorerst so stehen. Eine Sache möchten wir euch aber noch auf den Weg geben: Die Sohlen von authentischen Schuhen (vor allem der wendegenähten Schuhe) entsprechen nicht unseren heutigen Standards. Sie sind wesentlich dünner. Wenn ihr euch für diese Schuhe entscheidet, solltet ihr sie bei Bedarf mit einer dicken Einlegesohle polstern. Kauft die Schuhe nicht zu klein, denn dicke Socken stehen bei schlechtem Wetter hoch im Kurs.

Schmuck

Schmuck war bereits im Mittelalter sehr beliebt und viele Funde zeugen von einer sehr ausgeprägten Kunstfertigkeit. Im Schmuck verdeutlichte sich im Mittelalter zum einen der (Wohl-)Stand des Trägers, zum anderen wurden die wertvollen Kleinode auch als eine Art Wertanlage gehandhabt. Nicht jeder konnte sich bronzenen, versilberten oder gar vergoldeten Schmuck leisten, daher war er eher den besser betuchten Personen vorbehalten. Wir sprechen hier mit Absicht nicht von Adel oder Klerus, da es durchaus auch ein erfolgreicher Kaufmann oder ein freier Bauer zu Wohlstand bringen konnte.

Möchtest Du Deine Mittelalter-Gewandung mit Schmuck ergänzen, dann stehen Dir alle Türen offen:

  • Halsketten
  • Armreife
  • Fingerringe
  • Fibeln/Gewandschließen
  • Bartperlen / Haarperlen

Du findest bei uns mittelalterlichen Schmuck verschiedener Couleur. Bei einigen Schmuckstücken handelt es sich um Repliken bestimmter Funde, andere greifen historische Symbole und Muster auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Themen der keltischen und wikingerzeitlichen Kultur. Vom Thorshammer, über Darstellungen der Fruchtbarkeitsgöttin Freya oder dem Weltenbaum bis hin zu Raben-, Schlangen- und Wolfsdarstellungen ist die Auswahl sehr groß.

Unser Tipp: Magst Du es lieber schlicht? Oft reicht es schon, wenn man sich ein einfaches Lederband mehrfach ums Armgelenk wickelt. Du kannst in den Riemen zudem kunstvolle Knoten knüpfen und ihn dann als Kette tragen.

Gugel / Umhang / Mantel

Umhänge und Mäntel sind echt klasse und werten eine Mittelalter-Gewandung zweifelsohne auf. Sie sehen nicht nur toll aus, sie halten auch warm und lassen sich wunderbar als Decke oder Sitzunterlage benutzen. Umhänge wurden das ganze Mittelalter hindurch getragen und veränderten sich über die Jahrhunderte kaum.

Der kleine Bruder des Umhangs ist die Gugel. Sie ist wesentlich kürzer als ein Umhang und bedeckt lediglich Kopf und Schultern. Es gibt geschlossene und offene Gugeln, beides hat seine Vor- und Nachteile.

Sowohl Umhänge als auch offene Gugeln haben meist zwei Bänder, mit denen sie geschlossen werden können. Wenn es Dir gefällt und zu Deiner Darstellung passt, eignen sich Gewandschließen zudem wunderbar als Verschluss, zum Beispiel unsere tordierten Ringfibeln.

Manch einer legt sich aus ästhetischen Gründen oder weil es kalt ist ein Fell über die Schultern. Wenn Dir das gefällt, mach das! Es gibt allerdings keine Belege, dass das im Mittelalter so getragen wurde. Zu vielen Mittelalter-Fantasy-Darstellungen passt das hingegen sehr gut.

Gürtel

Heutzutage werden Gürtel an der Hose getragen, an einer mittelalterlichen Hose wirst Du Gürtelschlaufen allerdings umsonst suchen. Denn im Mittelalter trugen die Menschen den Gürtel über der Tunika / dem Kleid. Wie bereits geschrieben, solltest Du diese Kleidungsstücke immer mit Gürtel anprobieren. Sie liegen dadurch viel besser und es sieht insgesamt authentischer aus. Einfache Gürtel mit Ringschließe gibt es bei uns schon für kleines Geld und die Anschaffung lohnt sich wirklich. Übrigens findest Du auf unserem Blog bereits einen Beitrag, wie Du einen Langgürtel mit Ringschließe bindest.

Gürtel wurden das ganze Mittelalter hindurch getragen. Anders als heute waren sie aber viel länger, sodass man die Enden locker herabhängen ließ. Zumindest wenn man sich das leisten konnte, denn im Mittelalter war Leder ein teures Gut. Grundsätzlich kann man schon schlussfolgern, dass die Länge des Gürtels etwas über den Wohlstand des Trägers aussagte. Das ging so weit, dass es im 12. Jahrhundert Mode wurde, den Gürtel so lang zu tragen, dass er zwei Mal um den Körper gewunden werden musste.

Neben den einfachen Gürteln mit Ringschließen, gibt es auch aufwendig verzierte Gürtel. Diese haben oft nicht nur eine prächtige Schnalle, sondern auch einen – meist ähnlich verzierten – Riemenendbeschlag. Letzterer sorgt für zusätzliches Gewicht am Ende des Gürtels, damit dieser gut „fällt“. 

Für Frauen haben wir etliche Miedergürtel, die eine tolle Taille zaubern. Diese sind allerdings eher dem Fantasy-Mittelalter zuzuordnen.

Taschen

Die meisten mittelalterlichen Taschen und Beutel werden am Gürtel befestigt. Im Mittelalter waren sie unabdingbar, denn Hosen und Kleider hatten keine eingenähten Taschen. Dinge des täglichen Gebrauchs, die man mit sich führen wollte, wurden also in einer Gürteltasche aufbewahrt.

Für jemanden, der eine Mittelalter-Gewandung trägt, bietet solche eine Tasche viel Platz für Hab und Gut. Gleichzeitig versteckst Du darin neumodernen Schnickschnack wie Autoschlüssel und Hygieneartikel. Die Größe Deiner Tasche richtet sich dementsprechend nach dem von Dir benötigten Stauraum.

Hast Du viele Dinge, die Du benötigst, kannst Du auch zur Umhängetasche greifen. Für Frühmittelalter- und Wikingerdarstellungen ist unsere Haithabu-Tasche zu empfehlen. Ab dem Hochmittelalter raten wir zur Pilgertasche.

 

Zubehör für Deine Mittelalter-Gewandung

Deine Mittelalter-Gewandung ist fertig, Schuhe, Gürtel, Taschen, alles da. Im Grunde hast Du erst einmal alles, aber falls Du weitere Inspiration suchst, gefallen Dir vielleicht folgende Ideen:

Wadenwickel

Wadenwickel eignen sich toll für eine frühmittelalterliche Darstellung, beispielweise von Wikingern oder Slawen. Sie sehen super aus und halten schön warm, wenn es mal etwas ungemütlich sein sollte. Es gibt verschiedene Arten sie zu binden. Sind sie fertig gewickelt, kannst Du sie entweder mit hübschen Zierhaken verschließen oder das Ende einfach in den gewickelten Stoff schieben.

Ein Gebrauchsmesser

Ein schönes Detail, das Deine Mittelalter-Gewandung abrundet, ist beispielweise ein historisches Gebrauchsmesser am Gürtel. Wie die Tasche, so wurden auch Messer am Gürtel getragen. Jeder, der es sich leisten konnte, hatte im Mittelalter sein eigenes dabei und brachte es auch mit, wenn er irgendwo eingeladen war. Wenn Du Dein historisches Messer am Gürtel tragen möchtest, achte beim Kauf darauf, dass eine Lederscheide dabei ist.

Kleine Requisiten

Je nachdem, was Du darstellen möchtest, kannst Du Dir noch ein paar Requisiten zulegen:

  • ein kleines Lederbuch
  • Knochenwürfel
  • ein Fernrohr für Seemänner (Neuzeitliche Darstellung)
  • einen Ton- bzw. Hornbecher (wenn es authentisch sein soll) oder ein Trinkhorn (Fantasy)

Kurzer Exkurs: Farben im Mittelalter

Anders es in diversen Filmen und Serien verdeutlicht wird, war die Kleidung des Mittelalters nicht nur von dunklen, erdigen Tönen geprägt. Mit einfachsten Mitteln, sprich Pflanzen aus der Region, konnten (theoretisch) selbst ärmere Menschen ihre Kleidung einfärben, beispielweise mit Birkenblättern oder mit Zwiebelschalen. Ob sie es immer taten, ist eine andere Frage. Denn auch wenn sie die Möglichkeit hatten, war das Färben sowohl zeitintensiv als auch materialaufwendig. Man benötigte einen relativ großen Topf, viel Wasser, Brennholz und meist eine recht große Menge an Färbematerial.

Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass Du – solltest Du eine eher authentische Darstellung anstreben – beherzt zu farbigen Stoffen greifen kannst, sowohl als Mann als auch als Frau. Je höher Dein Stand, desto farbenprächtiger Dein Gewand.

Schwarz und Gelb

Immer wieder gibt es Diskussionen über die Farben Schwarz und Gelb. Ersteres soll es im Mittelalter angeblich nicht gegeben haben, letzteres war angeblich die Farbe der Prostituierten.

Widmen wir uns zuerst Schwarz. Da es schwarze Wolle gab, warum soll es dann nicht auch schwarze Textilien gegeben haben? Hier könnten wir die Diskussion schon abbrechen, allerdings möchten wir dennoch anmerken, dass auch das Schwarzfärben möglich war. Es gab sogar verschiedene Verfahren, die von unterschiedlichem Wert waren. Sich rein in schwarz zu gewanden, dürfte aber außerhalb der geistlichen Tracht, eher unüblich gewesen sein.

Kommen wir zu gelb. War es die Farbe der Prostituierten? Im Europa des Mittelalters, einem Zeitraum, der immerhin 1000 Jahre umfasst, sicherlich nicht permanent und nicht überall. In den meisten Fällen trugen die Betroffenen ein gelbes Band und kein vollständig gefärbtes Gewand. Im Zweifel solltest Du recherchieren, wie das in der Region zur Zeit Deiner Darstellung gehandhabt wurde. Darüber hinaus könnte es aber sein, dass Du auf Mittelaltermärkten immer wieder mit dieser Meinung konfrontiert wirst, was die Lust auf Gelb möglicherweise irgendwann schmälert.

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